Bewerbungsratgeber
Bewerbung nach einer Kündigung – Strategien für die Jobsuche in der Schweiz
Eine Kündigung – ob selbst eingereicht oder vom Arbeitgeber ausgesprochen – ist kein Makel. In der Schweiz ist ein Stellenwechsel normal, und Arbeitgeber wissen, dass Restrukturierungen, Unternehmensaufgaben oder persönliche Neuorientierungen zur beruflichen Realität gehören. Entscheidend ist, wie Sie damit umgehen.
Erste Schritte nach der Kündigung
- RAV-Anmeldung: Melden Sie sich innerhalb von 5 Werktagen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses beim RAV an. Warten Sie nicht auf den letzten Arbeitstag.
- Arbeitszeugnis anfordern: Sie haben Anspruch auf ein Zwischenzeugnis oder endgültiges Zeugnis. Fordern Sie es aktiv an und prüfen Sie es sorgfältig.
- Unterlagen aktualisieren: Aktualisieren Sie Lebenslauf, LinkedIn-Profil und Zertifikatsliste, solange Sie noch im Unternehmen sind oder unmittelbar danach.
- Netzwerk aktivieren: In der Schweiz werden viele Stellen über persönliche Kontakte besetzt – informieren Sie Ihr Netzwerk diskret über Ihre Suche.
Lebenslauf nach einer Kündigung anpassen
Der Lebenslauf nach einer Kündigung muss keine negative Geschichte erzählen. Strukturieren Sie ihn so, dass Ihre Leistungen im Vordergrund stehen.
Umgang mit Lücken
Eine Lücke von 1–3 Monaten ist in der Schweiz nicht ungewöhnlich und erklärungsbedürftig. Wenn die Lücke länger dauert, benennen Sie sie kurz im Lebenslauf:
- «Berufliche Neuorientierung und Weiterbildung | 2024–2025»
- «Selbststudium: CAS Digital Leadership (FHNW) | 2024»
- «Freiwilligenarbeit und Gesundheitsphase | 2024»
Letzte Stelle richtig beschreiben
Auch wenn das Arbeitsverhältnis unschön endete, beschreiben Sie Ihre Leistungen sachlich und positiv. Was haben Sie dort erreicht? Welche Projekte haben Sie vorangetrieben?
Motivationsschreiben nach einer Kündigung
Erwähnen Sie die Kündigung im Motivationsschreiben nicht explizit – ausser es ist unvermeidbar (z. B. weil Sie aktuell ohne Stelle sind und der Arbeitgeber dies aus dem Lebenslauf sieht).
Fokussieren Sie stattdessen auf die Zukunft: Was suchen Sie? Was bringen Sie mit? Warum dieses Unternehmen?
Formulierungsbeispiel
«Nach zehn Jahren in der Finanzbranche suche ich eine neue Herausforderung, bei der ich meine Erfahrung in der Prozessoptimierung gezielt einsetzen kann. Ihr Unternehmen spricht mich an, weil...»
Im Vorstellungsgespräch auf die Frage vorbereitet sein
Die Frage «Warum haben Sie Ihre letzte Stelle verlassen?» kommt in fast jedem Interview. Bereiten Sie eine ehrliche, aber konstruktive Antwort vor.
Was funktioniert
- Sachliche Nennung des Grundes (Restrukturierung, Stellenabbau, Strategiewechsel)
- Kurze Erklärung ohne emotionale Wertung
- Überleitung zur Zukunft: «Ich nutze diese Phase, um gezielt nach einer Stelle zu suchen, die...»
Was Sie unbedingt vermeiden sollten
- Ex-Arbeitgeber schlechtreden oder kritisieren
- Lange Erklärungen oder Rechtfertigungen
- Widersprüche zwischen Ihren Angaben und dem Arbeitszeugnis
Das Arbeitszeugnis prüfen
In der Schweiz hat das Arbeitszeugnis eine kodierte Sprache. Achten Sie auf folgende Signalwörter:
| Formulierung | Bedeutung |
|---|---|
| «... hat sich stets bemüht» | Leistungen blieben hinter Erwartungen zurück |
| «... war fleissig und willig» | Mittelmässige Leistung |
| «... erledigte die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit» | Durchschnittliche, ausreichende Leistung |
| «... zu unserer vollen Zufriedenheit» | Gute Leistung |
| «... zu unserer vollsten Zufriedenheit» | Sehr gute Leistung |
Bei Unklarheiten lassen Sie das Zeugnis von einer HR-Fachperson oder einem Karriereberater prüfen.
Weiterführende Ratgeber
Häufig gestellte Fragen
Muss ich im Motivationsschreiben angeben, warum ich gekündigt wurde?
Nein. Sie sind nicht verpflichtet, die Gründe im Motivationsschreiben zu nennen. Im Vorstellungsgespräch wird die Frage meist kommen – bereiten Sie eine kurze, sachliche Antwort vor, die keine Schuldzuweisungen enthält.
Wie erkläre ich eine Entlassung im Gespräch?
Kurz, sachlich und ohne Bitterkeit. Z. B.: «Das Unternehmen hat eine Restrukturierung durchgeführt, dabei wurde meine Stelle gestrichen.» Oder: «Ich und das Unternehmen haben sich auseinandergelebt – ich suche eine neue Herausforderung, die besser zu meinen Stärken passt.» Kein Schlechtreden des Ex-Arbeitgebers.
Wie lange sollte ich mit der Jobsuche nach einer Kündigung warten?
Nicht zu lange. Melden Sie sich umgehend beim RAV an (innert 5 Werktagen nach Ende des Arbeitsverhältnisses), um keine Taggeldansprüche zu verlieren. Die aktive Jobsuche können Sie parallel zur Verarbeitung beginnen – je nach Situation mit gezielter oder breiter Suche.
Wie gehe ich mit einer Lücke im Lebenslauf um?
Benennen Sie die Lücke kurz und ehrlich: «Berufliche Neuorientierung», «Familienzeit» oder «Weiterbildung». Wenn Sie in der Zwischenzeit Kurse besucht, Freiwilligenarbeit geleistet oder eigene Projekte vorangetrieben haben, erwähnen Sie das.
Kann ich ein schlechtes Arbeitszeugnis durch eine gute Bewerbung ausgleichen?
Teilweise. Ein überzeugendes Motivationsschreiben, ein professioneller Lebenslauf und eine starke Performance im Interview können ein mittelmässiges Zeugnis relativieren. Klären Sie aber vorab, ob das Zeugnis tatsächlich schlecht ist – fragen Sie jemanden mit HR-Erfahrung um eine Einschätzung.
Darf ich meinen aktuellen Arbeitgeber als Referenz angeben, wenn ich gekündigt wurde?
Das hängt vom Verhältnis ab. Wenn die Trennung einvernehmlich war, können Sie direkte Vorgesetzte anfragen. Sind die Verhältnisse angespannt, ist es besser, frühere Arbeitgeber oder externe Referenzpersonen zu nennen.
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