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11. März 20264 Min. Lesezeit

Arbeitszeugnisse lesen und verstehen 📄🔍

Heute möchte ich über ein Thema sprechen, das fast so spannend ist wie das Thema Lohn: Arbeitszeugnisse. Aus jedem Anstellungsverhältnis entsteht ein Arbeitszeugnis oder zumindest eine Arbeitsbestätigung. Viele lesen ihr Zeugnis einmal kurz durch, sehen ein paar positive Wörter und denken: „Passt schon.“ Doch die Realität ist: Arbeitszeugnisse sind eine eigene Sprache. Und wer sie nicht versteht, übersieht schnell wichtige Details.

ArbeitszeugnisBewerbung
Arbeitszeugnisse lesen und verstehen 📄🔍

Heute möchte ich über ein Thema sprechen, das fast so spannend ist wie das Thema Lohn: Arbeitszeugnisse.

Aus jedem Anstellungsverhältnis entsteht ein Arbeitszeugnis oder zumindest eine Arbeitsbestätigung. Viele lesen ihr Zeugnis einmal kurz durch, sehen ein paar positive Wörter und denken: „Passt schon.“ Doch die Realität ist: Arbeitszeugnisse sind eine eigene Sprache. Und wer sie nicht versteht, übersieht schnell wichtige Details.

Beginnen wir zuerst mit den rechtlichen Fakten in der Schweiz:

Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat jederzeit Anspruch auf ein Arbeitszeugnis bzw. auf ein Zwischenzeugnis Das Zeugnis muss wahr und wohlwollend formuliert sein Es muss die Tätigkeit, die Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie Leistung und Verhalten beurteilen Auf Wunsch kann auch nur eine Arbeitsbestätigung ausgestellt werden. Diese enthält dann keine Bewertung Das Zeugnis darf die berufliche Zukunft nicht unnötig erschweren Das Zeugnis kann auch noch Rückwirkend (i. d. R. 10 Jahre) verlangt werden

Das klingt erstmal gut. Viele denken deshalb: Wenn es wohlwollend sein muss, dann ist doch jedes Zeugnis automatisch gut.

Leider nein.

Ein Arbeitszeugnis muss zwar wohlwollend formuliert sein, aber es darf trotzdem eine schlechte Bewertung enthalten. Genau hier kommen die berühmten Codes ins Spiel.

Artikelinhalte fiktives Arbeitszeugnis

Im Bild siehst du ein fiktives Arbeitszeugnis. Auf einer Skala von 1 bis 10 wäre dieses Zeugnis ungefähr eine minus 1000. Viel schlechter geht fast nicht mehr 😅

Auf den ersten Blick wirkt es nett formuliert. Doch die entscheidenden Hinweise verstecken sich in einzelnen Wörtern. Besonders in den gelb markierten.

Schauen wir uns einige davon genauer an.

„versuchte sich neue Kenntnisse anzueignen“ Das klingt harmlos. Bedeutet aber: Er hat es versucht, aber wirklich geschafft hat er es nicht. „meistens in der vorgesehenen Zeit“ Hier fehlt ein entscheidendes Wort. Ein gutes Zeugnis würde sagen „stets“ oder „immer“. „Meistens“ bedeutet übersetzt: Es hat häufig nicht geklappt. „nach einer längeren Einarbeitung“ Das signalisiert: Die Person hat ungewöhnlich lange gebraucht, um ihre Aufgaben zu verstehen. „mit bescheidenem Erfolg“ Das ist eine ziemlich deutliche Aussage. Bedeutet: Der Erfolg war eher gering. „genügende Präzision“ In der Zeugnissprache entspricht „genügend“ ungefähr einer Schulnote 4 oder schlechter. „meist mit der nötigen Sorgfalt“ Auch hier wieder das Wort „meist“. Also nicht immer. „hat sich bemüht“ Einer der bekanntesten Zeugnis-Codes. Übersetzt bedeutet das praktisch: Der Wille war da, das Ergebnis leider nicht. „in der Regel sehr teamfähig“ Auch hier wird relativiert. „In der Regel“ bedeutet: nicht immer.

Du siehst also: Das Zeugnis klingt freundlich, aber inhaltlich ist es eine Katastrophe.

Jetzt schauen wir kurz, wie dieselben Aussagen klingen würden, wenn es eine 10 von 10 wäre: ⭐

Er arbeitete sich sehr schnell in neue Themen ein und setzte seine Fachkenntnisse erfolgreich um. Alle Aufgaben erledigte er stets termingerecht und mit höchster Sorgfalt. Seine Arbeitsweise war jederzeit sehr präzise, effizient und zuverlässig. Er überzeugte durch hervorragende Leistungen und eine hohe Eigeninitiative. Sein Verhalten gegenüber Kunden, Vorgesetzten und Mitarbeitenden war jederzeit vorbildlich. Wir schätzten ihn als ausgesprochen engagierten und leistungsstarken Mitarbeiter.

Ein riesiger Unterschied, obwohl beides auf den ersten Blick positiv klingt.

In einigen Arbeitszeugnissen steht übrigens ein Satz wie: „Dieses Zeugnis ist nicht kodiert.“

Das klingt beruhigend, ist aber schlicht nicht möglich.

Denn sobald Leistung bewertet wird, findet automatisch auch eine Einordnung statt. Und damit entsteht zwangsläufig eine Bewertungsskala.

Oft höre ich auch: „Mein Zeugnis muss ja gut sein.“

Nein.

Dein Zeugnis muss wohlwollend sein, aber nicht gut. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Es gibt unzählige solcher Codes in Arbeitszeugnissen. Manche sind sehr subtil.

Ein weiteres Beispiel:

„Sein natürliches Auftreten.“

Das klingt zunächst positiv. In der Praxis wird diese Formulierung jedoch manchmal negativ interpretiert. Sie kann bedeuten, dass jemand wenig professionell wirkt oder zu locker auftritt.

Oder auch der Abschlusssatz: Im Idealfall steht das Bedauern drin, wie aber auch das WEITERHIN viel Erfolg gewünscht wird. Fehlt das Bedauern, ist man eigentlich froh, abreitet die Person nicht mehr im Unternehmen. Fehlt das WEITERHIN kann man mutmassen, dass die Person bislang keinen Erfolg hatte und man so nun Erfolg wünscht.

Jedes Zeugnis muss ganzheitlich betrachtet werden.

Deshalb lohnt es sich, ein Zeugnis wirklich genau zu prüfen.

Gerade wenn du dich neu bewirbst, kann ein schwaches Arbeitszeugnis Türen schliessen, ohne dass du überhaupt weisst warum.

Bist du dir unsicher, ob dein Arbeitszeugnis wirklich gut ist? 🤔

Wir prüfen es gerne für dich und erklären dir verständlich, was wirklich drinsteht.

https://cvolution.ch/service-check 🔎📄