Zurück zum Blog
22. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Wie du als Kandidat bei einem Unternehmer punkten kannst - Interview mit Patrick Mollet

Du hast einen guten Lebenslauf, bringst die geforderte Erfahrung mit und bereitest dich auf das Vorstellungsgespräch vor. Aber was möchte dein Gegenüber eigentlich hören? Was überzeugt einen Unternehmer davon, genau dich einzustellen? 🤔

InterviewPatrick MolletBewerbung
Wie du als Kandidat bei einem Unternehmer punkten kannst - Interview mit Patrick Mollet

Du hast einen guten Lebenslauf, bringst die geforderte Erfahrung mit und bereitest dich auf das Vorstellungsgespräch vor. Aber was möchte dein Gegenüber eigentlich hören? Was überzeugt einen Unternehmer davon, genau dich einzustellen? 🤔

In meinen bisherigen Newslettern habe ich viel darüber geschrieben, wie du deine Bewerbungsunterlagen aufbaust, deinen Marktwert einschätzt und deine Stellensuche angehst. Dieses Mal wollte ich die Perspektive wechseln. Direkt zu jemandem, der selbst Unternehmen aufgebaut, Mitarbeitende eingestellt und in Menschen investiert hat. 🤝

Dafür habe ich Dr. Patrick Mollet einige Fragen gestellt. Er hat mehrere Unternehmen gegründet, eines an XING verkauft und war Investor bei «Die Höhle der Löwen». Mich interessiert dabei vor allem: Worauf achtet jemand mit diesem Hintergrund bei Menschen? Wie erkennt er Potenzial? Und was kannst du daraus für deine nächste Bewerbung oder Lohnverhandlung mitnehmen?

Wir haben auch über Arbeitsplatzkultur gesprochen. Denn du möchtest im Vorstellungsgespräch schliesslich ebenfalls herausfinden, ob das Unternehmen zu dir passt. Ein guter Eindruck sollte auf beiden Seiten entstehen. 😉

Potenzial entsteht auch durch Vertrauen. 🌱

Armend: Du hast mehrere Unternehmen gegründet, eines an XING verkauft und bei «Die Höhle der Löwen» investiert. Welche Erfahrung hat deinen Blick auf Menschen und ihr Potenzial am stärksten verändert?

Patrick: Es gab nicht die eine Erfahrung. Prägend war aber, dass wir uns in meiner ersten Firma kaum Mitarbeitende mit viel Berufserfahrung leisten konnten. Wir mussten deshalb jungen Menschen sehr früh Verantwortung übertragen. Dabei habe ich erlebt, wozu Menschen fähig sind, wenn man ihnen mehr zutraut, als ihr Lebenslauf zunächst vermuten lässt. Für mich waren Mitarbeitende deshalb immer auch ein Stück weit Mitunternehmer:innen: mit viel Freiheit, aber auch mit echter Verantwortung.

Armend: Worauf achtest du bei Menschen, bevor du in sie investierst oder sie einstellst? Was überzeugt dich über einen guten Lebenslauf hinaus?

Patrick: Der Lebenslauf interessiert mich nur bedingt. Entscheidend ist, welche Erfahrungen jemand gemacht hat, welche Fähigkeiten daraus entstanden sind und wie die Person mit neuen Situationen umgeht. Besonders achte ich darauf, ob jemand Verantwortung übernimmt, lernen will und einen eigenen Anspruch an die Qualität seiner Arbeit hat.

Gut verkaufen oder wirklich etwas dahinter? 🔍

Armend: Wie erkennst du den Unterschied zwischen jemandem, der sich gut verkaufen kann, und jemandem, der tatsächlich das Potenzial mitbringt?

Patrick: Am besten funktioniert das in einem offenen Gespräch. Ich lasse mir konkrete Situationen aus bisherigen Jobs schildern und frage genauer nach: Was war die Ausgangslage? Was hat die Person selbst umgesetzt? Was ist gelungen, und was würde sie heute anders machen? Dabei merkt man meist schnell, ob hinter einer überzeugenden Darstellung auch Substanz steckt.

Den eigenen Wert vermitteln 💰

Armend: Was können Angestellte von Unternehmern lernen, wenn es darum geht, ihren eigenen Wert zu erkennen und in einer Lohnverhandlung überzeugend zu vermitteln?

Patrick: Als Unternehmer ist man ständig im Pitch-Modus: Welches Problem löse ich, und weshalb ist diese Lösung für Kund wertvoll? Auch Angestellte sollten ihren Beitrag aus dieser Perspektive betrachten. Für eine Lohnverhandlung reicht es nicht, auf Einsatz oder Betriebszugehörigkeit zu verweisen. Überzeugender ist, anhand konkreter Beispiele zu zeigen, welchen zusätzlichen Beitrag man leistet, welche Verantwortung man übernommen hat und weshalb diese Fähigkeiten für das Unternehmen wertvoll sind.

Vom Angestellten zum Unternehmer 🚀

Armend: Welche Fragen sollte man sich stellen, bevor man eine sichere Anstellung aufgibt und den Schritt in die Selbstständigkeit wagt?

Patrick: Ich habe mich immer gefragt: Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Wenn der Worst Case ist, dass ich ein paar Monate sehr sparsam leben muss und ich halt wieder eine Festanstellung annehme, ist das Risiko sehr klein. Wenn ich mein gesamtes Erspartes investiere und nicht mehr für meine Familie sorgen kann, muss ich mir schon gut überlegen, ob ich dieses Risiko eingehen will.

In den meisten Fällen ist es besser, zuerst einmal neben der Festanstellung zu testen, ob es für das Produkt oder die Dienstleistung überhaupt einen Markt gibt. Falls das eigene Business anläuft, kann man die Festanstellung vielleicht schrittweise reduzieren, bevor man sie ganz aufgibt.

Gute Kultur oder einfach gutes Marketing? 👀

Armend: Fast jedes Unternehmen wirbt mit einer guten Arbeitsplatzkultur. Woran können Bewerbende bereits im Vorstellungsgespräch erkennen, ob diese im Alltag tatsächlich gelebt wird?

Patrick: Ich würde versuchen, mit möglichst vielen Mitarbeitenden zu sprechen, nicht nur mit dem künftigen Chef. Vielleicht liegt eine gemeinsame Kaffeepause drin. Oder ich kann fragen, ob ich einen halben Tag mitarbeiten kann. Dann spürt man die Kultur sehr gut. Ausserdem lohnt es sich, nicht nur über die Aufgaben und den Lohn zu sprechen, sondern zu fragen, wodurch sich denn die Kultur auszeichne und welche Art von Personen in dieser Kultur erfolgreich sind. Und auch hier wieder konkrete Beispiele verlangen und sich nicht mit Floskeln zufriedengeben. Eine besonders aufschlussreiche Frage lautet: «Was passiert hier, wenn jemand einen Fehler macht oder einer Führungskraft widerspricht?» Ausserdem hilft es natürlich zu schauen, ob das Unternehmen als Great Place To Work zertifiziert wurde ;-)

Armend: Was braucht es aus deiner Erfahrung, damit Mitarbeitende langfristig zufrieden bleiben, und welche Rolle spielt der Lohn dabei?

Patrick: Der Lohn muss marktgerecht und intern als fair empfunden werden. Wenn das nicht der Fall ist, wird er sehr schnell zum Problem. Ein fairer Lohn allein sorgt aber noch nicht dafür, dass Menschen langfristig gerne und mit hohem Engagement arbeiten. Dafür brauchen sie Wertschätzung, Vertrauen und genügend Autonomie, um ihren Job gut zu erledigen. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen grundsätzlich motiviert sind. Viele Unternehmen nehmen ihnen diese Motivation jedoch durch unnötig starre Prozesse und schlechte Führung.

Armend: Was macht einen Arbeitgeber heute wirklich attraktiv, und wie können kleinere Unternehmen mit begrenztem Lohnbudget gegenüber grossen Unternehmen punkten?

Patrick: Gerade kleinere Unternehmen können mit Gestaltungsspielraum, kurzen Entscheidungswegen und echter Verantwortung punkten. Dort erleben Mitarbeitende unmittelbarer, welchen Unterschied ihre Arbeit macht. Gute Kultur kann deshalb einen Teil des Lohnunterschieds zu grossen Unternehmen ausgleichen. Sie darf aber nicht als Ausrede für eine unfaire Bezahlung dienen. Umgekehrt können hohe Löhne und viele Benefits kulturelle Defizite eine Zeit lang überdecken, aber kaum dauerhaft kompensieren.

Was kannst du für dein nächstes Gespräch mitnehmen? 🎯

Für mich zieht sich ein Punkt durch Patricks Antworten: konkrete Beispiele. Bei deiner Erfahrung, deinem Beitrag zum Unternehmen und sogar bei der Frage nach der Unternehmenskultur.

«Ich übernehme gerne Verantwortung» ist schnell gesagt. Spannend wird es, wenn du erzählen kannst, wann du Verantwortung übernommen hast. Was war die Situation? Was hast du selbst entschieden? Was kam dabei heraus? Und was hast du daraus gelernt?

Bereite dir vor deinem nächsten Vorstellungsgespräch drei solche Situationen vor. Eine, in der du ein Problem gelöst hast. Eine, in der du Verantwortung übernommen hast. Und eine, bei der etwas schiefgelaufen ist und du heute anders handeln würdest. Genau damit gibst du deinem Gegenüber die Möglichkeit, deine Fähigkeiten besser einzuschätzen. 💡

Dieselbe Vorbereitung hilft dir bei der Lohnverhandlung. Überlege dir, welchen zusätzlichen Beitrag du seit der letzten Lohnanpassung leistest. Welche Aufgaben sind dazugekommen? Wo hast du etwas verbessert? Welche Verantwortung trägst du heute?

Und stelle selbst gute Fragen. Wenn ein Unternehmen mit Vertrauen und Eigenverantwortung wirbt, lass dir erklären, wie das im Alltag aussieht. Patricks Frage zum Umgang mit Fehlern und Widerspruch würde ich mir dafür direkt notieren. Die Antwort dürfte spannender sein als die nächste Aufzählung von Benefits.

Vielen Dank, Patrick, für deine Zeit und die offenen Einblicke! 🤝

Was konntest du aus Patrick Antworten mitnehmen?

PS: Ich durfte in Patricks Podcast bereits über Lohn und Lohntransparenz sprechen, hier geht's zum Podcast.

Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=oWYTtmNwMHo / Spotifyhttps://open.spotify.com/episode/2eyd8VkWS3seJynOpw4EGM?si=JidxNWafRkOffbcrUdWfYg&nd=1&dlsi=e7cac2430c08440e

PSS: Du weisst, was du kannst, hast aber Mühe, es in deiner Bewerbung überzeugend zu vermitteln? Wir unterstützen dich gerne: https://cvolution.ch/service 🚀